by René A. Krywult

Nach meinem Vortrag bei der FairMormon Konferenz 2019 haben mich viele Hörer das Gleiche gefragt: “Wie soll ich damit umgehen, wenn jemand, den ich lieb habe, von Antimormonismus beeinträchtigt ist und sich von der Kirche abwendet?”

Man kann den Fragestellern ansehen, wie sie die Entfremdung ihrer Freunde und Familie verletzt.

Es hat mich stutzig gemacht, zu sehen, wie die unterschiedlichen Meinungen zur COVID-19 Pandemie und die dazugehörigen Interaktionen ganz ähnlich waren, und wie viel Schmerz daraus kommt.

Auch politische Wahlen, wie zum Beispiel die US Präsidentenwahl, haben das Potential, Verwandte und Freunde gegeneinander aufzubringen. Manche drücken ihre Meinung sehr laut aus, und ihre persönlichen Beziehungen werden in Mitleidenschaft gezogen.

Und jeder kennt doch den eigentlich ganz netten Onkel, der von Verschwörungstheorien überzeugt ist.

In jedem dieser Bereiche glauben beide Seiten, dass die anderen leichtgläubig, getäuscht, unkritisch, Fehlinformiert, dumm oder einfach böse sind. In all diesen Themen werden Menschen verletzt und verlieren ihr soziales Netz. Familienfeiern, die freudige Ereignisse sein sollten, werden gefürchtet.

Als Apologet gibt es für mich natürlich keine Frage, wo ich in Bezug auf Antimormonismus und die Kirche stehe. In Bezug auf die anderen Bereiche halte ich es nicht für klug, mich hier zu outen.

Egal, wo Sie hier stehen, ich glaube, die Anfangsfrage betrifft auch Sie:

Wie geht man mit einem lieben Menschen um, der die Gegenposition vertritt und einfach nicht aufhört, darüber zu reden?

Der Grund, warum Menschen sich in so ein Thema versteigen, ist oft ein irregeleiteter Bewältigungsmechanismus. Wie viele andere kämpfen diese Menschen mit Unsicherheit, der Angst vor Kontrollverlust und Machtlosigkeit. Indem sie sich ihre eigene Realität schaffen, reduzieren sie diese negative Gefühle.

Aber sie erzeugen damit in ihrer Umwelt eine Erhöhung genau der gleichen Gefühle! Nehmen wir das Thema Corona als Beispiel. Wir alle sind in der einen oder anderen Weise deswegen besorgt. Manche sorgen sich um die wirtschaftlichen Folgen oder um unsere Freiheiten, die durch die Maßnahmen eingeschränkt werden. Andere sorgen sich um die direkten gesundheitlichen Folgen des Virus.

Wenn jemand entscheidet, dass es gar keine Pandemie gibt und deshalb den MNS nicht trägt, reduziert er seine eigenen Ängste, während er damit die Ängste der Familienmitglieder gleich doppelt erhöht, die an eine Pandemie glauben: Sie fürchten für den ungeschützten Angehörigen, und sie fürchten, dass dieser sie anstecken könnte.

Wenn es um die Kirche geht, fürchten beide Seiten, einander zu verlieren. Viele, die die Kirche verlassen, sagen, dass sie Angst davor haben, ihre gläubigen Freunde und Familie zu verlieren. Und natürlich fürchten auf der anderen Seite die Gläubigen, dass sie ihre Freunde und Familie für immer verlieren.

Wie gehen wir damit um?

Erstens, egal auf welcher Seite Sie stehen, verstärken Sie die emotionalen Verbindungen, die Sie haben. Zeigen Sie ihren Lieben, dass Ihre Liebe und Treue stärker sind, als die Bande des Todes. Als soziale Wesen ist eine unserer schlimmsten Ängste, dass unsere Sozialbindungen zerstört werden, was uns umso ängstlicher und heftiger streiten lässt. Ein Teufelskreis entsteht. Wenn dagegen klar ist: Dieses Problem kann unsere Beziehung nicht zerstören, dann sind die Argumente nicht so hitzig.

Zweitens, Machen Sie sich nicht über den Anderen oder seine Argumente lustig. Das ist hart, ich weiß. Wenn jemand uns etwas sagt, das wir für dumm halten, wollen wir deutlich machen, wie dumm es wirklich ist. Wir wollen zeigen, wie klug wir sind. Aber ehrlich: Wird uns die Gegenseite ernst nehmen, wenn wir uns über sie lustig machen? Vielleicht gewinnen wir eine Schlacht – aber wir töten dabei das, was wir retten wollen: Unsere Beziehungen und unsere Lieben.

Drittens, erkennen Sie an, dass die Sache auch Ihre eigenen negativen Emotionen triggert. Wenn die Sache zu intensiv wird, tun Sie Dinge, die Sie beruhigen. Kümmern Sie sich auch um sich selbst. Achten Sie darauf, in Balance zu bleiben. Hinterfragen Sie Ihre Annahmen darüber, was „sicher“ passieren wird, wenn diese Person so weiter macht.

Viertens, bleiben Sie rational. Wenn Sie sich von Ihren Emotionen überwältigen lassen, werden Sie und der Andere verletzt, und das schließt Türen zwischen Ihnen.

Über all diese Dinge habe ich auch in meinem Vortrag schon geredet.

Zu guter Letzt: Blicken Sie voll Vertrauen in die Zukunft. Nach allem, was Sie tun können, vertrauen Sie darauf, dass der Herr den Rest tun wird. Die Zukunft wird herrlich.

 

René Alexander Krywult, a native of Vienna, Austria, Europe, has been a member of FAIR for over twenty years and instrumental in founding the German-speaking FairMormon group. He is a software developer and project manager for a European financial institution. He is married to Gabriele Krywult, and they have four children and three grandchildren.

Rene had his first contact with anti-Mormonism at age 14, and from that time on one of his major interests has been to understand how anti-Mormon literature works, how to discern the reliability of information provided, and how to grow in faith while studying arguments made by the opposition.

Brother Krywult has filled many callings: ward Sunday school president, ward mission leader, elders quorum president, Seminary and Institute teacher and counsellor in a bishopric: Currently he serves as a High Councilor in the Vienna-Austria Stake. His native language is German.

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